Arbeit im Wandel

Die Arbeitswelt befindet sich in einem stetigen Wandel. Globalisierung, Digitalisierung, Auswirkungen des Klimawandels sowie demografischer und gesellschaftlicher Wandel wirken sich zunehmend auf die Arbeitswelt aus. Ein zentrales Thema stellt auch die Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatlebendar. Kurz: Die Arbeit im Wandel stellt den ArbeitnehmerInnenschutz, insbesondere den Gesundheitsschutz, vor neue Herausforderungen.

Status quo

Derzeit werden Gefahren bei der Arbeit noch stärker mit Gefahren verbunden, deren Wirkung sofort erkennbar ist (z.B. Unfallgefahr) und weniger mit eher mittelbaren Gefahren durch psychische und ergonomische Belastungsfaktoren oder durch gefährliche, z.B. krebserzeugende, Arbeitsstoffe und UV-Strahlung. Umso wichtiger ist es diese Faktoren klar zu benennen und entstehende arbeitsbedingte Gefahren in der Arbeitsschutzorganisation an der Quelle zu bekämpfen. Krebserkrankungen, psychische Erkrankungen und Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems sind aktuell nicht nur die häufigsten Gründe für Invalidität oder Wiedereingliederungsmaßnahmen in den Beruf, sondern sie gelten auch immer häufiger als arbeitsbedingte Erkrankungen.

Gefahren bei der Arbeit werden nach wie vor mit größerer Wahrscheinlichkeit mit Männern, die beispielsweise auf Baustellen arbeiten, assoziiert als z.B. mit Frauen in Gesundheits- oder Pflegeeinrichtungen. Das liegt unter anderem daran, dass mehr Männer im produzierenden Sektor arbeiten, mit eindeutigen körperlichen Belastungsfaktoren und einem höheren Unfallrisiko, aber auch daran, dass die dortigen Belastungsfaktoren wissenschaftlich besser untersucht sind. Nicht vergessen werden dürfen die häufig unsichtbaren, psychischen und organisatorischen Belastungsfaktoren, z.B. im vielerorts frauendominierten Dienstleistungssektor. Diese spielen beim Sicherheits- und Gesundheitsschutz eine große Rolle und können arbeitsbedingte Erkrankungen mitauslösen.

Unter anderem durch Fortschritte in der Gendermedizin hat ein geschlechtersensibler Zugang bei der Bewertung von gesundheitlichen Risiken am Arbeitsplatz in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen

Treiber

Unfälle und berufsbezogene Erkrankungen (Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Erkrankungen) sind im Sinne des ASchG an der Quelle zu bekämpfen. Um dies zu erreichen, ist der Arbeitsschutz inzwischen notwendigerweise deutlich differenzierter geworden und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Für einen wirksamen Arbeitsschutz werden Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen und moderner Technik ebenso betrachtet wie das soziale Zusammenleben der Menschen im Betrieb oder das Kosten-Nutzen-Verhältnis sicherer und gesunder Arbeit.

Aktuell werden einige Treiber und Trends, die Einfluss auf den Wandel der Arbeitswelt haben, diskutiert.

Digitalisierung & digitale Transformation

Neue technologische Grundlagen und Möglichkeiten für die Zusammenarbeit, die Produktion, die Organisation von Betrieben und für den Vertrieb von Waren und Dienstleistungen, haben einen Einfluss auf die jeweilige Arbeitsschutzorganisation. Mittlerweile prägen sich stetig weiterentwickelnde, digitale Technologien nicht nur unseren Alltag, sondern bestimmen ihn auch mehr und mehr mit. Einzelne Innovationen können dazu führen, dass der digitale Wandel rasant beschleunigt wird. Beispielsweise hat das Smartphone mit seiner fortgeschrittenen Konnektivität wie kaum eine andere Innovation in den letzten Jahrzehnten auf viele Branchen disruptiv gewirkt. Ortsunabhängiges Arbeiten ist inzwischen für viele Menschen möglich und normal. Informations- und Kommunikationstechnologien haben einen stark zunehmenden Einfluss auf die Arbeit. Insbesondere in den Kontexten Plattformarbeit, algorithmisches Management und intelligente digitale Systeme wird dem Schutz persönlicher Daten eine erhöhte Bedeutung zukommen.

Mittels Arbeitsplatzevaluierung werden mit Bezug auf Digitalisierung beispielsweise folgende Themen aufgegriffen:

  • Elektronische Protokollierungen
  • Algorithmisches Management (u.a. vorurteilsbehaftete Algorithmen)
  • Informationsüberlastung durch Arbeitsverdichtung
  • Unklare Anweisungen (Bezug zu digitaler Führung)
  • Belastung durch Organisationskultur
  • Neue Formen der Interaktionsarbeit
  • Intensivierte Mensch-Maschine-Interaktion
  • Work-Life-Blending (ständige Erreichbarkeit)
  • Arbeit auf digitalen Plattformen
  • Automatisierung von Aufgaben
  • „Remote-Work“ und hybrides Arbeiten
  • Personalmanagement mithilfe künstlicher Intelligenz
  • Auswirkungen intelligenter digitaler Systeme
  • Möglichkeit ständiger Überwachung durch Führungskräfte

Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) führt von 2023 bis 2025 eine Kampagne mit dem Titel „Sicher und gesund arbeiten in Zeiten der Digitalisierung“ durch. Mit der Kampagne werden folgende fünf Schwerpunktbereiche thematisiert:

1. Arbeit auf digitalen Plattformen

2. Automatisierung von Aufgaben

3. Mobiles und hybrides Arbeiten

4. Personalmanagement mithilfe künstlicher Intelligenz (KI)

5. Intelligente digitale Systeme

Arbeit im Klimawandel

Die Folgen des Klimawandels haben bereits heute direkte und indirekte Effekte auf die Arbeitswelt in Österreich. Erderwärmung und direkte Folgen können sich beispielsweise durch Hitze[1], solare UV-Strahlung, vermehrte Infektionskrankheiten, neue Allergene und neue Toxine[2], zeigen. Für manche Branchen sind auch schnell auftretende Extremwetterlagen relevant.  Entsprechende Arbeitsschutzmaßnahmen werden bereits heute gesetzt, von der Arbeitsinspektion beraten und kontrolliert. Indirekte Folgen durch psychische Belastung können sich beispielsweise aufgrund von Klimaangst (engl. „climate anxiety“) bei gleichzeitig als unzureichend empfundenen betrieblichen Bemühungen, dem Klimawandel entgegenzuwirken, ergeben (mögliche kognitive Dissonanz).

Politische Entscheidungen, wie der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel bis 2030 und die klimaneutrale Wirtschaft bis 2040, deuten darauf hin, dass auf dem Arbeitsmarkt mehr s.g. „Green Jobs“ zu besetzen sein werden[3]. Insbesondere Branchen rund um Themen wie Energie, Klima und Umwelt, Mobilität, Verkehrsplanung und Verkehrswege sind von diesem Strukturwandel betroffen. Abfall und Ressourcenmanagement, der Wohnbau, die Errichtung von Windkraftanlagen oder Solarenergie-Systeme (PV-Anlagen) sind bereits heute mit geänderten Herausforderungen an die Arbeitsschutzorganisation konfrontiert. Aktuelle Informationen und Checklisten dazu sind auch auf der Webseite der EU-OSHA nachzulesen.

Globalisierung

Betriebe agieren zunehmend globaler. Digitale Infrastruktur spielt sowohl für Betriebe als auch für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine wichtige Rolle. Durch den technologischen Wandel und flächendeckenden Internetzugang wird diese Dynamik tendenziell verstärkt, da viele Tätigkeiten im Arbeits- und Wirtschaftsleben nur mehr ein Gerät mit Internetanschluss erfordern. Grenzüberschreitender Handel und Kommunikation ist alltäglich geworden. Weltweite Wanderungsbewegungen haben zugenommen. Unternehmensinterne Kooperation erfolgt oftmals über mehrere Zeitzonen hinweg. Entwicklungen im Kontext der Globalisierung bringen ganz neue Chancen und Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen und Ängste, im Umgang mit gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen mit sich.  

Demografischer Wandel

Vor allem in West- und Mitteleuropa kommt es zu einem demografischen Wandel am Arbeitsmarkt. Der Zuzug nach Österreich ist in den letzten Jahren kontinuierlich höher als der Wegzug, das heißt der Anteil von Menschen mit Migrationsbiographien steigt an. Gelingt die Integration der hinzukommenden Menschen in den Arbeitsmarkt, ergeben sich weitere Chancen, dem Fachkräftemangel zu begegnen, die kulturelle Vielfalt im Land zu fördern und starkem Zeitdruck bzw. durch Arbeitsüberlastung bedingten Fehlbeanspruchungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entgegenzuwirken. Die Integration arbeitsfähiger Menschen in den österreichischen Arbeitsmarkt ist ein gesamtgesellschaftliches Projekt, bei welchem die Arbeitsinspektion ihren Beitrag leistet. Verständliche Unterweisungen, menschengerechte Arbeitsbedingungen, Prävention von psychischen Gefahren wie Isolation, Gewalt oder Belästigung, sind einige zu beachtende Aspekte. Ein weiteres, die Demografie betreffendes Thema ist die alternde Gesellschaft. Mit der sich erhöhenden Lebenserwartung und dem wachsenden Anteil älterer Menschen nimmt einerseits die Anzahl der Pensionierungen (Verlust von Arbeitskräften) und andererseits auch die Anzahl der Personen zu, die auf Leistungen des Gesundheitswesens und der Pflege angewiesen sind. Die Gesamtsumme aus Zusatzbedarf und Ersatzbedarf liegt lt. Sozialministerium in Österreich bei rund 76.000 zusätzlich benötigten Pflege- und Betreuungspersonen im Zeitraum von 2017 bis 2030. Diese Branche steht u.a. deshalb vor besonderen Herausforderungen. Die betroffenen Betriebe benötigen funktionierende Arbeitsschutzsysteme, damit psychische wie physische Belastungsfaktoren möglichst geringgehalten werden können. Eine Fragestellung innerhalb des Arbeitsschutzes geht auch dahingehend, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gesund in die Pension zu entlassen und die Anzahl der gesunden Lebensjahre in der Pension zu erhöhen.

Kultureller und wirtschaftlicher Wandel im Kontext "New Work"

Es gibt eine Vielzahl an Lebensführungsmodellen und unterschiedlichen Zeitbedürfnissen, denen traditionelle Arbeitszeitmodelle teilweise nicht mehr gerecht werden können. Beobachtet wird aktuell, dass Bedarf an unterschiedlichen Arbeits- und Arbeitszeitmodellen besteht und diese auch neue Auswirkungen auf den Arbeitsschutz mitbringen. Die Bedürfnisse nach existenzsichernder Arbeit, Solidargemeinschaft, persönlicher Entwicklung sowie Balance zwischen Berufs- und Privatleben prägen auch den Arbeitsschutz. Kultur und Sprache beeinflussen die notwendige Herangehensweise im Arbeitsschutz anders als in vergangenen Jahren. 

Die Organisationskultur vieler Betriebe passt sich zunehmend den neuen Gegebenheiten einer sich ändernden Wirtschaft und dem gesellschaftlichen Wertewandel an, wodurch beispielsweise folgende Themen für viele Organisationen und die dort arbeitenden Menschen wichtiger werden:

  • Sinnstiftende Tätigkeiten
  • Übereinstimmung mit den Unternehmenswerten
  • Orts- und Zeitflexibles Arbeiten
  • Agiles und projektbezogenes Arbeiten
  • Kulturelle Diversität als Stärke einer Organisation
  • Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung
  • Neue Hierarchieformen und partizipative Entscheidungsmechanismen
  • Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben

Dies sind nur beispielhafte Themen, welche für das neue Arbeiten („New Work“) charakteristisch sind.

Auswirkungen im Arbeitsschutz

Eine Arbeitswelt im Wandel bringt Neuerungen und Veränderungen für Sicherheits- und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Dies eröffnet neue Chancen, kann aber auch Nachteile bringen. Der Einsatz neuer Technologien, die zunehmende Berücksichtigung von Belastungsfaktoren, deren Auswirkungen erst zeitverzögert sichtbar werden oder nachteilige Folgen zeitlicher und räumlicher Flexibilisierung in der Arbeitsgestaltung, sind im Arbeitsschutz wichtige Themen geworden. Es eröffnen sich einerseits viele Möglichkeiten bereits jetzt produktiver, flexibler, vernetzter, internationaler und gesünder zu arbeiten, während andererseits auch Veränderungs-, Anpassungs- und Innovationsdruck entsteht. Je besser erkannt wird, warum welche Neuerungen wie auftreten, umso besser können sie im Arbeitsschutz präventiv mitgedacht werden.

Mehr zu Treibern und Trends kann zum Beispiel im „Weißbuch Arbeiten 4.0“ des Deutschen Arbeitsministeriums nachgelesen werden.

Aktuelle Themen für die Arbeitsplatzevaluierung (beispielhafte Auflistung)

Beeinträchtigung durch zu häufige und zu lange Videokonferenzen sind aktuell ein weitverbreitetes Phänomen. Videokonferenz-Erschöpfung (auch bekannt als „Zoom Fatigue“) äußert sich u.a. durch Konzentrationsminderung, erhöhte Reizbarkeit, Kopfschmerzen und Rückenschmerzen. Die größten Stressfaktoren sind lt. einer Studie der Universität Stanford und Göteborg[4]:

  • Das Gefühl der körperlichen Gefangenheit
  • Das Gefühl, dass man ständig beobachtet wird
  • Die permanente Selbstaufmerksamkeit auf das eigene Videobild

Aber auch die Interpretation und Produktion nonverbaler Signale und das Gewähren eines Bildausschnittes aus der eigenen Privatsphäre können „Zoom Fatigue“ begünstigen. Frauen sind in der vorliegenden Studie etwas öfter betroffen als Männer. Langzeitfolgen können nur geschätzt werden, da die Studienlage begrenzt ist. Andere vergleichbare arbeitsbezogene Ermüdungserscheinungen äußern sich jedoch in erhöhten Krankenständen, eingeschränkter Leistungsfähigkeit als auch in sinkender Produktivität und Motivation. Eine Praxishilfe Zoom-Fatigue wird von der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) angeboten.

Mensch-Maschine Interaktion und Überwachung von Mitarbeitenden. Die technischen Möglichkeiten erlauben es vielerorts Arbeitsdaten der Mitarbeitenden strukturiert zu erheben, auszuwerten und für die Optimierung von Arbeitsprozessen zu verwenden. Neben rechtlichen Einschränkungen bestehen dabei mittel- bis langfristig allerdings Gefahren durch Verlust der Autonomie, Intensivierung der Arbeit, Druck, einen maschinenbestimmten Standard einzuhalten, Verlust der Kontrolle über die eigene Arbeit, Fragmentierung von Tätigkeiten in sehr einfache Aufgaben, die routinemäßig auszuführen sind, Verengung des Arbeitsinhalts und „Deskilling“ (Qualifikationsverlust) sowie falsche oder unfaire Entscheidungen über Beschäftigte aufgrund automatisierter oder halb-automatisierter Prozesse, welche fehlerbehaftete Daten und/oder Software verwenden. Digitale Überwachungssysteme mit positiven finanziellen Anreizen oder sog. „Nudges“ zur Leistungssteigerung sowie Bewertung der Leistung der Beschäftigten könnten in diesem Kontext, je nach konkreter Situation, zu psychischer Fehlbeanspruchung und chronischer Stressreaktion führen.
Weitere Informationen zur Analyse der Mensch-Maschine-Interaktion am Arbeitsplatz ist auf der Webseite „AOW EXPERTINNEN DATENBANK der AUVA“ nachzulesen.

„New Work“ menschengerecht gestalten. Dadurch, dass immer mehr Arbeiten online und ortsflexibel durchgeführt werden können, entstehen einerseits Freiheiten in der Gestaltung der Tätigkeiten inkl. Potenzialen für bessere Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf (organisationale und personenbezogene Ressourcen), andererseits kann es dadurch beispielsweise zu Isolierung der Beschäftigten, Abnahme der Verbundenheit innerhalb der Belegschaft und Reduzierung der Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen kommen. Mobilität, Flexibilität, ständige Verfügbarkeit und Verschwimmen der Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben sind Themen für die Arbeitsplatzevaluierung. Online oder hybride Organisationskulturen sollten dabei so gestaltet werden, dass Sicherheit und Gesundheit nicht beeinträchtigt werden. Es besteht z.B. die Möglichkeit, dass Arbeitskräfte eine Online-Sucht entwickeln (immer online sein wollen, um nichts zu verpassen). Auch der Konsum von leistungssteigernden Medikamenten kann, beispielsweise bei längeren Arbeitszeiten und strenger Leistungskontrolle auf der Grundlage einer algorithmischen Arbeitsplanung, zunehmen. 
Mehr zum Thema kann beim Schwerpunkt „New-Work“ der Initiative Gesundheit und Arbeit nachgelesen werden. Weiterführende Informationen finden Sie auf unserer Website unter Telearbeitsplätze, Homeoffice und der Webseite „KMU im Fokus 2022“ des BMAW.

Datenbrillen. In der Arbeitsplatzevaluierung kann beispielsweise auch der Einsatz von Datenbrillen Thema werden, wenn es etwa darum geht Nutzerinnen und Nutzer ausreichend vor dem Gefühl der „Entindividualisierung“ zu schützen. Auch die ergonomische Gestaltung des Arbeitsprozesses kann Thema werden, um Kopf-, Augen-, und Nackenschmerzen vorzubeugen. Dabei ist eine systematische und ganzheitliche Betrachtung von Hardware und Nutzung von Datenbrillen essentiell, da positive Effekte auf Arbeitsschutz (und Arbeitsleistung) vor allem dann zu erwarten sind, wenn Technologie und Aufgabe bestmöglich aufeinander abgestimmt sind. Mehr zum Thema Datenbrillen findet sich im BAuA- Bericht kompakt Head-Mounted Displays.

Häufige Störungen und Unterbrechungen binden meist unnötig viele kognitive Ressourcen. 
Beispiele für Unterbrechungen sind Anrufe, spontane Onlinemeetings, Personen während der Stillarbeit direkt ansprechen. Störungen können dabei – anders als Unterbrechungen – auch kontinuierlich wirken und sind in der Regel nicht mit zusätzlichen Aufgaben verbunden. Ein Beispiel dafür ist Baustellenlärm im Büro. Mehr dazu im BAuA Bericht „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt –  Störungen und Unterbrechungen“.

Elektronische Protokollierung bzw. Dokumentation unterstützt viele Arbeitsprozesse, kann jedoch gleichzeitig zu häufigen Unterbrechungen führen. In der Arbeitsplatzevaluierung könnte daher der Umgang mit der Erfassung vieler Daten während des Tagesgeschäfts ein Thema werden. Beispielsweise wenn Datenerfassung andere (oft die eigentliche) Tätigkeit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unterbricht. Auch ein Gefühl impliziter Leistungskontrollen kann damit einhergehen, wenn Lieferrouten beispielsweise mit Hilfe der Protokolle dichter getaktet werden oder eine innerbetriebliche Konkurrenzsituation zugelassen wird. Mit einem entstehenden Gefühl der ständigen Überwachung muss im Arbeitsschutz ebenso sorgsam umgegangen werden wie mit dem Daten-Erfassungs-Aufwand.

Bewertungssysteme kennen viele von uns vor allem vom Onlinehandel. Aber auch der Zufriedenheit mit Kundenservice oder der Sauberkeit von Toiletten kann inzwischen Ausdruck verliehen werden. Sind diese Aspekte nicht in der betrieblichen Arbeitsschutzorganisation geregelt, kann es bei den betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auslösen, dass sie bis zur Erschöpfung arbeiten oder informelle Umgangsformen damit finden. Auch die Angst vor Arbeitsplatzverlust kann hier eine Rolle spielen. Es ist daher wichtig, dass auch solche betrieblichen Maßnahmen von passenden Arbeitsschutzmaßnahmen gestützt werden. BAuA: Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt – Rückmeldung

Prüft man beruflich Inhalte sozialer Medien (Content Moderation) oder des Darknets (z.B. bei der Polizei relevant) wird es passieren, dass man kriminellen/belastenden Inhalten im Internet begegnet. Der Arbeitsschutz verlangt dabei, die Arbeit so zu gestalten, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausreichend vor negativen psychischen Folgen geschützt sind und schnell Abhilfe schaffen können. Gewalt, Hass und Beleidigung im virtuellen Raum lassen sich nicht auf Knopfdruck abstellen – ein umfassender Arbeitsschutz kann Maßnahmen zum Schutz jener Menschen, die in ihrer Arbeit davon betroffen sind, erfordern.

Die Pandemiesituation hat die Entwicklung neuer Strategien und Techniken zum Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen begünstigt. Eine breite und immer noch wachsende Palette an Möglichkeiten zur Eindämmung und Bekämpfung von Mikroorganismen am Arbeitsplatz steht inzwischen zur Verfügung. Im Arbeitsschutz ist von Bedeutung, dass der Einsatz dieser neuen Verfahren und Technologien nicht zu gesundheitsgefährlichen Einwirkungen auf die im Raum tätigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer führt. Es muss sichergestellt werden, dass gesundheitlich beeinträchtigende Chemikalien nicht eingeatmet oder über die Haut aufgenommen werden. Auch beim Einsatz von Chemikalien außerhalb der Betriebszeiten ist auf allfällige Rückstände oder Reaktionsprodukte Bedacht zu nehmen, mit denen zu einem späteren Zeitpunkt anwesende Personen in Kontakt kommen könnten. Der Arbeitskreis Innenraumluft im BMK bezieht Positionen in Form von Fachmeinungen seiner Expertinnen und Experten über wichtige Themen der Raumluftqualität.

Mehr Informationen der Arbeitsinspektion

Quellen und weitere Informationen

  • „Sicher und gesund arbeiten in Zeiten der Digitalisierung“. So heißt die von 2023–2025 andauernde Kampagne der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA)
  • Arbeitswelt und Arbeitsschutz im Wandel - entstehende Risiken beobachten und ihnen präventiv begegnen. Die heutige Arbeitswelt ist das Resultat eines ständigen Wandels, dessen Ende nicht absehbar ist. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beobachtet die Entwicklungen und analysiert die aufkommenden Veränderungen, um Folgen für Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten rechtzeitig abzuschätzen. Ausführliche Informationen zu Arbeitsweltberichtserstattung, Flexibilisierung, Demografischer Wandel, Organisation des Arbeitsschutzes von morgen, sowie Führung und Organisation im Wandel finden Sie auf der Website der BAuA
  • Arbeit im Wandel. Zahlen, Daten, Fakten für das Jahr 2023 der BAuA. In kompakter Weise werden wichtige Aspekte unserer heutigen Arbeitswelt fokussiert. Fakten und Entwicklungen sind kurz und knapp skizziert, aber auch viel Wissenswertes über das inzwischen recht weite Feld des Arbeitsschutzes ist enthalten. 
  • Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) und Digitalisierung der Arbeit. Im Rahmen eines Prognoseprojekts der EU-OSHA werden die Auswirkungen rascher Entwicklungen bei digitalen Technologien wie künstliche Intelligenz und Robotertechnik auf die Arbeit und die sich daraus ergebenden möglichen Folgen für die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz beleuchtet. 
  • (Wirkungsvolle) Arbeitsschutz-Strukturen in der digitalen Welt. Das ist der Titel eines Forschungsprojekts der BAuA, in welchem aktuelle Herausforderungen thematisiert und herausgearbeitet wurden. 
  • Digitale Transformation. Um dem Verhältnis von Digitalisierung und psychischer Gesundheit auf den Grund zu gehen, hat INQA (Initiative Neue Qualität der Arbeit) bei Menschen nachgefragt, die sich wissenschaftlich, politisch, künstlerisch und in ihrer Arbeitspraxis mit der Thematik befassen. Antworten und Perspektiven dazu finden Sie auf der Website psychische Gesundheit in der Arbeitswelt (psyGA).
  • Arbeiten jederzeit und überall – Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Eine Zusammenfassung der Erkenntnisse aus 15 länderspezifischen Untersuchungen und der Europäischen Erhebung über die Arbeitsbedingungen sowie ein  Überblick über die Auswirkungen von Telearbeit und IKT-gestützter mobiler Arbeit auf die Arbeitswelt gibt es auf der Webseite von Eurofund.
  • Selbstcheck „Ständige Erreichbarkeit – Ein Thema in meinem Unternehmen?“ Ein Fragebogen zu Ausmaß, Auslösern und Umgangsweisen mit Erreichbarkeit findet sich in einer Publikation der INQA (Initiative Neue Qualität der Arbeit). 
  • Evaluierung Arbeitszeit. Auf Basis arbeitswissenschaftlicher Erkenntnissen entwickelt stellt die AUVA ein Webtool zur Risikoabschätzung zur Verfügung.
  • Arbeitsschutz und Migration. Knapp 24% der österreichischen Bevölkerung haben Migrationshintergrund. Merkblatt Handlungsansätze und Chancen zu Migration und Arbeitsschutz des Landesinstituts für Arbeitsgestaltung Nordrein-Westfahlen (Publikation aus dem Jahr 2018).
  • Die Arbeitswelt ist kulturell vielfältig. Teil einer Gesellschaft zu sein ist auch eine wichtige Gesundheitsressource. Wie Arbeitsschutz von einem migrationssensiblen Arbeitsschutz profitieren kann beschreibt der Artikel Wenn der Online-Übersetzer nicht weiterhilft (Zeitschriftenbeitrag aus dem Jahr 2018) des Landesinstituts für Arbeitsgestaltung Nordrein-Westfahlen. 
  • Alternsgerechte Arbeitsgestaltung. Zur Erhaltung der Gesundheit und Arbeitsfähigkeit durch alternsgerechte Arbeitsbedingungen für alle Generationen finden sich häufig Ansatzpunkte in der betrieblichen Arbeitsplatzevaluierung. Vor allem die Bereiche Ergonomie und Arbeitspsychologie können hier als Basis dienen. Darüber hinaus bietet die Webseite eval.at in dieser Rubrik Informationen und Unterlagen zum Thema.
  • Interaktionsarbeit. Interaktionen mit anderen Menschen sind für viele Beschäftigte ein Bestandteil ihrer Arbeit: Sie beraten und informieren, erziehen, verhandeln, geben Anweisungen und vieles mehr. Die interaktive Tätigkeit befindet sich dabei im digitalen Wandel, wobei sich der Charakter interaktiver Arbeit durch eine Zunahme der Anwendung verschiedener Systeme (z.B. für Videokonferenzen) sowie Maschinen und Roboter zunehmend verändert. Aktuelle Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu Interaktionsarbeit finden Sie auf der Website www.interaktionsarbeit.de.
  • Klimawandel und ArbeitnehmerInnenschutz. Ob erhöhte Hitzebelastung, solare UV-Strahlung, neu oder vermehrt auftretende Infektionskrankheiten oder pflanzliche und tierische Allergene und Toxine – all das sind mögliche Auswirkungen des globalen Klimawandels auf Arbeitsplätze. Eine umfassende Analyse der BAuA beschäftigt sich mit dem aktuellen Wissensstand zu Klimawandel und Arbeitsschutz. Psychische Reaktionen auf Bedrohungsszenarien werden darin ebenfalls thematisiert.
  • Arbeit bei Hitze. Hitzebelastung stellt in allen Branchen und für Beschäftigte im Innen- als auch im Außenbereich ein Risiko dar. Der Schweregrad der Belastung hängt vom Arbeitsort, aber auch von individuellen Merkmalen wie Alter, Gesundheitszustand, sozioökonomischem Status und Geschlecht, ab. Mehr dazu in den Leitlinien für den Arbeitsplatz der EU-OSHA und auf der entsprechenden Website der Arbeitsinspektion.
  • KMU im Fokus 2022. Ein Bericht zu Situation und Entwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen in der österreichischen Wirtschaft: New Work und New Entrepreneurship.

Einzelnachweise, Anmerkungen

[1] Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, 2023. Arbeit bei Hitze: Leitlinien für den Arbeitsplatz

[2] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2022. Klimawandel und Arbeitsschutz.

[3] Kocher/Gewessler, 2023. Jobs zur Erreichung der Mobilitätswende und Klimaziele nun auch auf der Mangelberufsliste

[4] Fauville, G. et al. (2021): Nonverbale Mechanismen sagen „Zoom-Fatigue“ voraus und erklären, warum Frauen ein höheres Maß an Müdigkeit erleben als Männer (Artikel in englischer Sprache). 

Letzte Änderung am: 28.02.2024