Arbeit im Wandel

Die Arbeitswelt befindet sich in einem stetigen Wandel. Globalisierung, Digitalisierung sowie demografischer und gesellschaftlicher Wandel dominieren zunehmend die Arbeitswelt. Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben ist ein zentrales Thema. Diese Entwicklungen bieten uns neue Chancen und stellen gleichzeitig Betriebe und Beschäftigte auch vor neue Herausforderungen. Wir müssen uns daher ständig weiterentwickeln, um auf geänderte Anforderungen reagieren zu können. Doch nicht nur (Arbeits-)Anforderungen haben sich in den vergangenen Jahren verändert, auch Arbeitsbedingungen. Neue Kommunikationsformen ermöglichen beispielsweise zeitliche wie örtliche Flexibilität, mit allen verbundenen Vorteilen und Nachteilen. Globalisierung wirkt sich direkt auf Wohlstand, aber auch auf Wettbewerb aus und führt zu einer Veränderung von Kooperation und Konkurrenz. Arbeit im Wandel stellt zudem den Arbeitsschutz, vor allem den Gesundheitsschutz, vor ganz neue Herausforderungen.

Status quo

Derzeit werden Gefahren bei der Arbeit im Allgemeinen, noch stärker mit immanenten Gefahren z.B. Unfallgefahr verbunden als mit weniger offensichtlichen Gefährdungen wie psychischen oder ergonomischen Belastungen oder arbeitsbedingten Krebserkrankungen.

Krebserkrankungen, psychische Erkrankungen und Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems sind aktuell jedoch nicht nur die häufigsten Gründe für Invalidität oder Wiedereingliederungsmaßnahmen in den Beruf; sie gelten auch immer häufiger als arbeitsassoziierte Erkrankungen.

Gefahren bei der Arbeit sind, trotz gestiegener Achtsamkeit für Belange des Gender Mainstreamings, nach wie vor mit größerer Wahrscheinlichkeit mit Männern, die beispielsweise auf Baustellen arbeiten, assoziiert als mit Frauen in Gesundheits- oder Pflegeeinrichtungen.

Im Bereich der und durch die Gendermedizin hat ein geschlechtersensibler Zugang bei Bewertung von gesundheitlichen Risiken in den letzten Jahren bereits deutlich an Bedeutung gewonnen und tritt nun vermehrt in den Vordergrund. 

Treiber

Unfälle und berufsbezogene Erkrankungen (Berufskrankheiten und arbeitsassoziierte Erkrankungen) sind zu vermeiden. Doch der Ansatz des Arbeitsschutzes ist inzwischen deutlich breiter geworden. Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen und moderner Technik werden ebenso betrachtet wie das soziale Zusammenleben der Menschen im Betrieb oder das Kosten-Nutzen-Verhältnis sicherer und gesunder Arbeit.

Aktuell werden einige Treiber und Trends, die Einfluss auf die Arbeitswelt haben, diskutiert. 

Digitalisierung. Neue technologische Grundlagen und Möglichkeiten für die Zusammenarbeit, die Produktion aber auch für die Organisation von Betrieben und den Vertrieb von Waren und Dienstleistungen. Mittlerweile prägen digitale Technologien, die sich stetig weiterentwickeln nicht nur unseren Alltag, sondern bestimmen ihn auch mehr und mehr mit. Der digitale Fortschritt kann noch dazu durch einzelne Innovationen rasant beschleunigt werden. Beispielsweise hat etwa das Smartphone mit seiner fortgeschrittenen Konnektivität wie kaum eine andere Innovation im letzten Jahrzehnt disruptiv auf viele Branchen gewirkt. Ortsunabhängiges Arbeiten ist inzwischen für viele Menschen möglich. Informations- und Kommunikationstechnologien haben einen stark zunehmenden Einfluss auf Arbeit. Elektronische Protokollierungen, Algorithmen und „künstliche Intelligenz“ verändern unser Leben mehr und mehr.  

Globalisierung. Hat in den vergangenen Jahrzehnten erheblich, auch durch das Internet, zugenommen und den Aktionsradius von Unternehmen vergrößert. Betriebe agieren zunehmend globaler. Digitale Infrastruktur spielt sowohl für Konzerne aber auch für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen eine enorm wichtige Rolle. Viele Tätigkeiten im Arbeits- und Wirtschaftsleben erfordern nur mehr ein Gerät mit Internetanschluss. Grenzüberschreitender Handel und Kommunikation ist alltäglich geworden. Weltweite Wanderungsbewegungen haben zugenommen.   

Demografischer Wandel. Vor allem in West- und Mitteleuropa kommt es zu einem demografischen Wandel am Arbeitsmarkt. Der Zuzug nach Österreich ist in den letzten Jahren kontinuierlich höher als der Wegzug. Mit der sich erhöhenden Lebenserwartung und dem wachsenden Anteil älterer Menschen nimmt auch die Anzahl der Personen zu, die auf Leistungen des Gesundheitswesens und der Pflege angewiesen sind. Neue Herausforderungen im Arbeitsschutz gehen auch dahingehend, wie die Anzahl gesunden Lebensjahre in der Pension erhöht werden können. 

Kultureller und gesellschaftlicher Wandel. Konsumverhalten und Beziehungsgefüge verändern sich und haben entscheidenden Einfluss darauf, welche Neuerungen Akzeptanz finden und sich durchsetzen und welche nicht. Es gibt eine Vielzahl an Lebensführungsmodellen und unterschiedlichen Zeitbedürfnissen, denen traditionelle Arbeitszeitmodelle zum Teil nicht mehr gerecht werden können. Beobachtet wird aktuell, dass Bedarf an unterschiedlichen Arbeits- und Arbeitszeitmodellen besteht und diese auch neue Auswirkungen auf den Arbeitsschutz mitbringen. Der Wunsch nach existenzsichernder Arbeit, Solidargemeinschaft, Selbstverwirklichung sowie Balance zwischen Berufs- und Privatleben prägen auch den Arbeitsschutz. Kultur und Sprache beeinflussen die notwendige Herangehensweise im Arbeitsschutz anders als in vergangen Jahren.  

Im Zusammenspiel dieser Entwicklungen eröffnen sich viele Möglichkeiten in der Zukunft anders, produktiver, flexibler, vernetzter, internationaler und gesünder zu arbeiten Zugleich erzeugen diese Möglichkeiten aber auch Veränderungs-, Anpassungs- und Innovationsdruck. Je besser erkannt wird, warum und wie Neuerungen auftreten umso besser können sie im Arbeitsschutz gestaltet werden.

Mehr zu Treibern und Trends findet sich im „Weißbuch Arbeiten 4.0“ des Deutschen Arbeitsministeriums sowie im Schwerpunkt Mobilität: Die Zukunft der Arbeit und der Wandel der Arbeitswelt der WKÖ. 

Auswirkungen im Arbeitsschutz

Neuerungen und Veränderungen können Vorteile für Produktivität und Gesundheitsschutz bringen aber auch Nachteile. Bedingt durch den Einsatz neuer Technologien, die zunehmende Wahrnehmung von Belastungen, deren Auswirkungen erst zeitverzögert sichtbar werden oder nachteilige Folgen zeitlicher und räumlicher Flexibilisierung in der Arbeitsgestaltung sind auch im Arbeitsschutz inzwischen wichtige Themen geworden.

Eine Arbeitsplatzevaluierung hat in vielen Bereichen inzwischen ganz andere Aspekte als noch vor einigen Jahren. Themen könnten beispielsweise sein:

In der Arbeitsplatzevaluierung kann inzwischen der Einsatz von Datenbrillen Thema werden, wenn es beispielsweise darum geht Nutzer und Nutzerinnen ausreichend vor dem Gefühl der Entindividualisierung zu schützen. Eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsprozesses ist wichtig, um Kopf-, Augen-, und Nackenschmerzen vorzubeugen. Eine systematische und ganzheitliche Betrachtung von Hardware und Nutzung von Datenbrillen ist wichtig. Positive Effekte auf die Arbeitsleistung sind vor allem dann zu erwarten, wenn Technologie und Aufgabe bestmöglich aufeinander abgestimmt sind.

BAuA: Bericht kompakt Head-Mounted Displays

Elektronische Protokollierungen sind allgegenwärtig und unterstützen viele Arbeitsprozesse. Hierbei kann in der Arbeitsplatzevaluierung der Umgang mit der Erfassung vieler Daten während anderer Tätigkeiten Thema werden. Beispielsweise, wenn Datenerfassung andere (oft die eigentliche) Tätigkeit der Arbeitnehmer / Arbeitnehmerinnen unterbricht. Häufige Störungen und Unterbrechungen binden meist unnötig viele kognitive Ressourcen. Aber auch das Gefühl impliziter Leistungskontrollen kann damit einhergehen, wenn Lieferrouten beispielsweise dadurch dichter getaktet werden können oder als Wettbewerb untereinander genutzt wird. Mit einem allenfalls entstehenden Gefühl der Überwachung muss im Arbeitsschutz ebenso sorgsam umgegangen werden, wie mit dem Daten-Erfassungs-Aufwand.  

BAuA: Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt –  Störungen und Unterbrechungen

Gerade während der Corona-Pandemie war Homeoffice in aller Munde. Auch neue psychische Arbeitsbedingungen, wie z.B. virtuelle Zusammenarbeit, Gefahr von Verschwimmen von Privat- und Berufsleben, Sichtbarkeit von Tätigkeiten und Leistung, Umgang mit Krankenstand können mit Telearbeit einhergehen und müssen, wenn es dabei zu psychisch gefährlichen Arbeitsbedingungen kommt vermieden werden. Oft ein wichtiges Thema in der Arbeitsplatzevaluierung.  Weiterführende Informationen finden Sie auf unserer Website unter Telearbeitsplätze, Homeoffice.

Bewertungssysteme kennen viele von uns vor allem vom Onlinehandel. Aber auch der Zufriedenheit mit Kundenservice oder der Sauberkeit von Toiletten kann inzwischen Ausdruck verliehen werden. Sind diese Aspekte nicht in der betrieblichen Arbeitsschutzorganisation geregelt, kann es bei den betroffenen Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen auslösen, dass sie bis zur Erschöpfung arbeiten oder informelle Umgangsformen damit finden, ebenso wie Angst vor Arbeitsplatzverlust. Es ist daher wichtig, dass auch solche betrieblichen Maßnahmen von passenden Arbeitsschutzmaßnahmen gestützt werden.

BAuA: Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt – Rückmeldung

Prüft man beruflich Inhalte sozialer Medien (Content Moderation) oder des Darknets, wird es passieren, dass man kriminellen/belastenden Inhalten im Internet begegnet. Der Arbeitsschutz verlangt dabei, dass die Arbeit so zu gestalten ist, dass Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen ausreichend vor Traumatisierung geschützt sind und schnell Abhilfe ergreifen können. Gewalt, Hass und Beleidigung im virtuellen Raum lassen sich nicht auf Knopfdruck abstellen – aber auch ein umfassender Arbeitsschutz kann Maßnahmen zum Schutz jener Menschen, die in ihrer Arbeit davon betroffen sind, erfordern.

Gewaltinfo.at

Die aktuell intensive Auseinandersetzung mit möglichen Gesundheitsrisiken für Arbeitnehmende während einer Pandemiesituation hat die Entwicklung neuer Strategien und Techniken begünstigt. Eine breite und immer noch wachsende Palette an Möglichkeiten zur Eindämmung und Bekämpfung von Mikroorganismen am Arbeitsplatz steht inzwischen zur Verfügung. Im Arbeitsschutz ist von Bedeutung, dass der Einsatz dieser neuen Verfahren und Technologien nicht zu gesundheitsgefährlichen Einwirkungen auf die im Raum tätigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer führt. Es muss sichergestellt werden, dass gesundheitlich beeinträchtigende Chemikalien nicht eingeatmet oder über die Haut aufgenommen werden. Auch beim Einsatz von Chemikalien außerhalb der Betriebszeiten ist auf allfällige Rückstände oder Reaktionsprodukte Bedacht zu nehmen, mit denen zu einem späteren Zeitpunkt anwesende Personen in Kontakt kommen könnten. Der Arbeitskreis Innenraumluft im BMK bezieht Positionen in Form von Fachmeinungen seiner Expertinnen und Experten über wichtige Themen der Raumluftqualität. 

Mehr dazu  (interne Verlinkungen)

Quellen und weitere Informationen

  • Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) und Digitalisierung der Arbeit. Im Rahmen eines Prognoseprojekts der EU-OSHA werden die Auswirkungen rascher Entwicklungen bei digitalen Technologien wie künstliche Intelligenz und Robotertechnik auf die Arbeit und die sich daraus ergebenden möglichen Folgen für die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz beleuchtet. 
  • Arbeitswelt und Arbeitsschutz im Wandel - entstehende Risiken beobachten und ihnen präventiv begegnen. Die heutige Arbeitswelt ist das Resultat eines ständigen Wandels, dessen Ende nicht absehbar ist. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beobachtet die Entwicklungen und analysiert die aufkommenden Veränderungen, um Folgen für Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten rechtzeitig abzuschätzen. Ausführliche Informationen zu Arbeitsweltberichtserstattung, Flexibilisierung, Demografischer Wandel, Organisation des Arbeitsschutzes von morgen, sowie Führung und Organisation im Wandel finden Sie hier
  • Arbeit im Wandel. Zahlen, Daten, Fakten für das Jahr 2020 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). In kompakter Weise werden wichtige Aspekte unserer heutigen Arbeitswelt fokussiert. Fakten und Entwicklungen sind kurz und knapp skizziert, aber auch viel Wissenswertes über das inzwischen recht weite Feld des Arbeitsschutzes ist enthalten. 
  • Digitale Transformation. Um dem Verhältnis von Digitalisierung und psychischer Gesundheit auf den Grund zu gehen, hat INQA (Initiative Neue Qualität der Arbeit) bei Menschen nachgefragt, die sich wissenschaftlich, politisch, künstlerisch und in ihrer Arbeitspraxis mit der Thematik befassen. Antworten und Perspektiven dazu finden Sie hier.
  • Arbeiten jederzeit und überall – Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Eine Zusammenfassung der Erkenntnisse aus 15 länderspezifischen Untersuchungen und der Europäischen Erhebung über die Arbeitsbedingungen, sowie ein  Überblick über die Auswirkungen von Telearbeit und IKT-gestützter mobiler Arbeit auf die Arbeitswelt findet sich hier.
  • Selbstcheck „Ständige Erreichbarkeit – Ein Thema in meinem Unternehmen?“ Ein Fragebogen zu Ausmaß, Auslösern und Umgangsweisen mit Erreichbarkeit findet sich in einer Publikation der INQA (Initiative Neue Qualität der Arbeit). 
  • Evaluierung Arbeitszeit. Auf Basis arbeitswissenschaftlicher Erkenntnissen entwickelt stellt die AUVA ein Webtool zur Risikoabschätzung zur Verfügung .
  • Arbeitsschutz und Migration. Knapp 24% der österreichischen Bevölkerung haben Migrationshintergrund. Zu Migration und Arbeitsschutz gibt es vom Landesinstitut für Arbeitsgestaltung Nordrein-Westfahlen Informationen wie beispielsweise das Merkblatt Handlungsansätze und Chancen.  
  • Die Arbeitswelt ist kulturell vielfältig. Teil einer Gesellschaft zu sein, ist auch eine wichtige Gesundheitsressource. Wie Arbeitsschutz für alle von einem migrationssensiblen Arbeitsschutz profitieren kann beschreibt der Artikel „Wenn der Online-Übersetzer nicht weiterhilft“
  • Alternsgerechte Arbeitsgestaltung. Zur Erhaltung der Gesundheit und Arbeitsfähigkeit durch alternsgerechte Arbeitsbedingungen für alle Generationen, finden sich häufig Ansatzpunkte in der betrieblichen Arbeitsplatzevaluierung. Vor allem die Bereiche Ergonomie und Arbeitspsychologie können hier als Basis dienen. Darüber hinaus bietet eval.at in dieser Rubrik Informationen und Unterlagen zum Thema. 

Letzte Änderung am: 22.02.2021