SARS-CoV-2 - Einstufung und Arbeiten in Labors

SARS-CoV-2 wurde als biologischer Arbeitsstoff der Risikogruppe 3 (RG 3) eingestuft und entsprechend in den Anhang III der RL biologische Arbeitsstoffe aufgenommen. Um die nationalen Kapazitäten der diagnostischen Labors nicht zu überlasten, dürfen diagnostische Tätigkeiten mit dem Virus, welche ohne Virusisolierung (Vermehrung des Virus) auskommen, auch in Labors der Sicherheitsstufe 2 durchgeführt werden. Diese Zusatzregelung wurde in einer Fußnote zum Viruseintrag in Anhang III der RL aufgenommen.

Zusätzlich wurde eine deutlich verkürzte Frist von 5 Monaten ab in Kraft treten der RL für die Umsetzung in nationales Recht festgelegt.    

Vom deutschen ABAS wurde eine vorübergehende Einstufung von SARS-CoV-2 als Erreger der RG 3 vorgeschlagen (Revision Anfang 2021). Die WHO unterstützt diese Einstufung. 

Gem. § 40 Abs 5 Z 3 sind biologische Arbeitsstoffe der Gruppe 3 Stoffe, die eine schwere Krankheit beim Menschen hervorrufen und eine ernste Gefahr für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer darstellen können. Die Gefahr einer Verbreitung in die Bevölkerung kann bestehen, doch ist normalerweise eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung möglich. Derzeit gibt es weder ein therapeutisch wirksames Medikament noch einen zugelassenen Impfstoff.  

Je nach durchgeführter Tätigkeit mit dem Virus, wird eine unterschiedliche Regelung hinsichtlich der erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen getroffen: rein diagnostische Tätigkeiten, bei denen das Virus nicht vermehrt wird (z.B.: Virusnachweis aus nasopharyngealen Abstrichen), können in Labors der Sicherheitsstufe 2 durchgeführt werden. Sämtliche Tätigkeiten, die eine Vermehrung des Virus erforderlich machen, sind in Labors der Sicherheitsstufe 3 durchzuführen, wobei die Arbeitsräume unter ständigem Unterdruck zu halten sind.
In beiden Fällen sind die für die jeweilige Risikogruppe die in der VbA genannten Schutzmaßnahmen umzusetzen. Diese sind aus heutiger Sicht jedenfalls ausreichend, um eine Gesundheitsgefährdung der betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu verhindern und eine Freisetzung des Virus aus dem Labor in die Bevölkerung zu vermeiden. 

WHO-Leitfaden 

Auch im Leitfaden der WHO betreffend Laborarbeiten mit SARS-CoV-2 wird diese Unterscheidung getroffen.
Im Leitfaden ist folgende Regelung vorgesehen:

  • Alle Arbeiten werden ausschließlich auf Basis einer Risikobewertung durchgeführt, es darf nur nachweislich geeignetes Personal eingesetzt werden, die Einhaltung aller einschlägigen Protokolle ist zwingend erforderlich.
  • Ersthandhabung von Proben (vor Virusinaktivierung) wird in einer geprüften mikrobiologischen Sicherheitswerkbank oder in geschlossenen Apparaturen durchgeführt.
  • Diagnostische Arbeiten ohne Virusvermehrung (Sequenzierung, NAAT) werden in Labors der Sicherheitsstufe 2 durchgeführt.
  • Arbeiten mit Virusvermehrung (Viruskulturen, Virusisolierung oder Neutralisationstests) werden in Labors der Sicherheitsstufe 3 (nach innen gerichteter Luftstrom durch ständigen Unterdruck) durchgeführt.
  • Es werden geeignete Desinfektionsmittel eingesetzt, welche erwiesenermaßen gegen behüllte Viren wirksam sind (z.B.: Hypochlorit, Alkohol, Wasserstoffperoxid, quartäre Ammoniumverbindungen, phenolhältige Verbindungen).
  • Probenmaterial von Personen mit Verdacht oder bereits erwiesener SARS-CoV-2 Infektion werden als „biologische Substanz Kategorie B“ (UN3373; Kategorie B: Ein ansteckungsgefährlicher Stoff, der den Kriterien für eine Aufnahme in Kategorie A nicht entspricht.) transportiert. Viruskulturen oder Isolate werden als „Kategorie A – infektiöse humanpathogene Substanzen“ (UN2814; Kategorie A: Ein ansteckungsgefährlicher Stoff, der in einer solchen Form befördert wird, dass er bei einer Exposition bei sonst gesunden Menschen oder Tieren eine dauerhafte Behinderung oder lebensbedrohende oder tödliche Krankheit hervorrufen kann) transportiert.

Erlaubte Tätigkeiten unter Sicherheitsstufe 2

  • Nicht-Viruskultur-basierte diagnostische Laborarbeiten
  • PCR-Analysen der Proben von Personen mit Verdacht auf bzw. bereits erwiesene COVID-19 Infektion
  • Arbeiten mit potentiell infektiösen Materialien, besonders jene bei denen Spritzer, Tröpfchen oder Aerosole entstehen können (z.B.: Füllen/ Entleeren von Zentrifugengefäßen, Verreiben, Mischen, starkes Schütteln, Ultraschall-Lyse, Öffnen von Containern, deren innerer atmosphärischer Druck sich möglicherweise vom Druck der Umgebung unterscheidet) werden in einer Sicherheitswerkbank durchgeführt 
  • Blut- und Serumdiagnostik; diagnostische Verfahren mit Proben der Atemwege (nasopharyngeale und oropharyngeale Abstriche, Sputum, endotracheale Absaugung oder bronchoalveolare Spülungen), von Stuhlproben und anderen Proben
  • Routineuntersuchungen von mykotischen und bakteriellen Kulturen von Proben der Atemwege

Die Voraussetzungen für Labors der Risikostufe 2 und 3 werden im Laboratory biosafety manual der WHO beschrieben und decken sich größtenteils mit den jeweiligen Anforderungen für Arbeiten mit Erregern der Risikogruppen 2 und 3 nach der VbA bzw. gehen die Anforderungen der VbA zT über jene der WHO hinaus.

Insofern erfüllen verordnungskonform ausgestattete Labors der Sicherheitsstufe 2 und 3 jedenfalls die dem Leitfaden der WHO zugrunde gelegten Anforderungen.
Vor der Durchführung folgender Tätigkeiten, die zu einem erhöhten Risiko der Virusmutation (und daraus folgend möglicher erhöhter Pathogenität und/ oder Übertragbarkeit) führen können, ist eine spezifische Risikobewertung durchzuführen:
  • Co-Infektion von Zellenkulturen mit unterschiedlichen Coronaviren; jeder Vorgang, der zu einer solchen Co-Infektion führen kann
  • Kultivierung von Virus in Gegenwart antiviraler Substanzen
  • Beabsichtigte Genmodifikationen des Virus

Transport von virushaltigen Materialien

Behälter mit virushaltigen Materialien sollen in einem zweiten Übergefäß transportiert werden, um die Gefahr der Beschädigung des Behälters bzw. des Verschüttens zu minimieren („transportieren“ schließt auch das Bewegen dieser Materialien von der Sicherheitswerkbank zum Inkubator etc. mit ein). Proben, die aus der Sicherheitswerkbank entnommen werden, sollen oberflächendesinfiziert werden.

Zusätzlich zu einer Auflistung der wichtigsten Schutzmaßnahmen für die Tätigkeiten unter Sicherheitsstufe 2 und 3, die sich im Wesentlichen mit den Regelungen der VbA decken, bietet der Leitfaden im Anhang 1 eine detaillierte Auflistung an best-practice-Beispielen für gute Laborpraxis und Anhang 2 eine Vorlage für die Durchführung einer Risikobewertung. Diese Dokumente können als hilfreiche Arbeitsunterlage für Labors empfohlen werden.  

Beabsichtigte und unbeabsichtigte Verwendung

Die VbA unterscheidet zwischen beabsichtigter und unbeabsichtigter Verwendung. Beabsichtigte Verwendung liegt vor, wenn der Zweck einer Tätigkeit oder eines Arbeitsverfahrens in der Verwendung eines oder mehrerer biologischer Arbeitsstoffe liegt. Klinische, veterinärmedizinische und allgemein diagnostische Labors sind von dieser Definition ex lege ausgenommen. Für die Tätigkeiten von diagnostischen mikrobiologischen Labors gilt, dass die Schutzmaßnahmen für die Risikogruppe 2 gem. Anhang 1 der VbA anzuwenden sind (außer der biologische Arbeitsstoff wird gezüchtet oder konzentriert).

Unbeabsichtigte Verwendung liegt vor, wenn keine beabsichtigte Verwendung vorliegt, es aber offenkundig ist oder die Ermittlung und Beurteilung von Gefahren ergeben hat, dass eine Tätigkeit oder Arbeitsverfahren zu einer Exposition gegenüber einem oder mehrerer biologischer Arbeitsstoffe führen kann.

Für Labortätigkeiten ergibt sich folgende Zuordnung:

Bei den unter Sicherheitsstufe 2 zulässigen diagnostischen Tätigkeiten mit SARS-CoV-2 ohne Virusvermehrung handelt es sich um Tätigkeiten mit beabsichtigter Verwendung.

Auch fallen Tätigkeiten mit SARS-CoV-2 in Forschungslabors, die die Vermehrung des Virus (Virusisolierung) miteinschließen, in den Definitionsbereich der beabsichtigten Verwendung. 


Die medizinische Versorgung und Betreuung von Personen, bei denen nachweislich oder vermutlich eine Infektion mit SARS-CoV-2 vorliegt, ist als unbeabsichtigte Verwendung zu qualifizieren.

Die allgemeinen Schutzmaßnahmen der VbA (§§ 5 bis 7 VbA) sind unabhängig von der Art der Verwendung umzusetzen.

Die im Anhang 1 der VbA genannten Schutzmaßnahmen sind im Fall von beabsichtigter Verwendung umzusetzen, bei diagnostischen mikrobiologischen Labors sind die Schutzmaßnahmen für die Risikogruppe 2 gem. Anhang 1 der VbA anzuwenden (außer der biologische Arbeitsstoff wird gezüchtet oder konzentriert). Bei unbeabsichtigter Verwendung ergibt sich aus der Ermittlung und Beurteilung der Gefahren ob und gegebenenfalls welche dieser Maßnahmen aus Anhang 1 der VbA umzusetzen sind.

Letzte Änderung am: 15.06.2020