Einsatz von Luftreinigern

Eine möglichst hohe Frischluftzufuhr ist eine der wirksamsten Methoden, potenziell virushaltige Aerosole aus Innenräumen zu entfernen. Der Betrieb von Luftreinigern kann eine ausreichende hygienische Lüftung nicht ersetzen.

Grundlagen

Die Arbeitsinspektion zieht zu Fragstellungen der Lufthygiene, der Lüftung bzw. zu Verunreinigungen der Raumluft die Positionspapiere des Arbeitskreis Innenraumluft im Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, heran.

Zur Rolle von Aersolopartikeln siehe auch Positionspapier der Gesellschaft für Aerosolforschung zum Verständnis der Rolle von Aerosolpartikeln beim SARS-CoV-2 Infektionsgeschehen.

Im Positionspapier zu lüftungsunterstützenden Maßnahmen zur Infektionsprophylaxe – Einsatz von Luftreinigern und Einbringung von Wirkstoffen in die Innenraumluft (Juni 2021) wird ausgeführt, dass die Zahl und die Durchmesser der von einem Menschen erzeugten, potenziell virushaltigen Partikel stark von der Atemfrequenz und der Aktivität abhängt. Das Infektionsrisiko wird durch gleichzeitige Aktivitäten vieler Personen im Gebäude bzw. durch den Aufenthalt vieler Personen auf engem Raum erhöht. Zu den Aktivitäten, die vermehrt Partikel freisetzen, gehören lautes Sprechen, Rufen, Singen, sportliche Aktivität oder auch lautstarke Unterstützung der Akteure bei Sportveranstaltungen.

Eine möglichst hohe Frischluftzufuhr ist eine der wirksamsten Methoden, potenziell virushaltige Aerosole aus Innenräumen zu entfernen, lüftungstechnische Anlagen sind daher in Zeiten der Pandemie als Vorsorge gegen Infektionen anzusehen, wobei natürlich festzuhalten bleibt, dass die meisten Arbeitsräume in den österreichischen Betrieben natürlich belüftet werden. Hier ist, um das Risiko einer Übertragung von SARS-CoV-2 zu reduzieren, eine zusätzliche häufigere intensive Lüftung (Öffnen von Fenstern) erforderlich.

Der Arbeitskreis weist darauf hin, dass erhöhte Kohlendioxidkonzentrationen in Innenräumen generell hygienisch inakzeptabel und der Leistungsfähigkeit abträglich sind. Laut der Richtlinie zur Bewertung der Innenraumluft des BMK ist in Räumen, in denen geistige Tätigkeiten verrichtet werden oder die zur Regeneration dienen, ein mittlerer CO2-Wert von 1000 ppm einzuhalten. Lüftungskonzepte und -techniken sowie ggf. der Einsatz von Luftreinigern ersetzen nicht die allgemein bekannten Schutzmaßnahmen gegen Infektionen. Sie bieten zudem keinen wirksamen Schutz gegenüber einer Exposition durch direkten Kontakt bzw. Tröpfcheninfektion auf kurzer Distanz. Die Einhaltung der „AHA-Regeln“ (Abstand, Hygiene/Händewaschen, „Alltags“ Mund-/Nasenschutz) sind daher unabhängig von den obigen Maßnahmen weiterhin zu beachten. Hinzuweisen ist auch noch auf Schallemissionen dieser Geräte: Diese sind auf einen möglichst niedrigen Wert zu beschränken.

Geräte mit Vernebelung von Chemikalien oder Einsatz von Kaltplasmaverfahren bzw. Strahlung

Seit Beginn der SARS-CoV-2 Pandemie werden laufend unterschiedliche Methoden zur effizienten Neutralisierung oder Entfernung von Mikroorganismen aus der Atemluft und von Oberflächen entwickelt und untersucht. Das Angebot an verschiedenen Geräten, welche durch Vernebelung von Chemikalien (z.B. Wasserstoffperoxid, Natriumhypochlorit) oder Einsatz von Kaltplasmaverfahren bzw. Strahlung eine signifikante Reduktion der Keimbelastung oder eine „Reinigung“ der Atemluft von Krankheitserregern versprechen, hat sich dadurch massiv vergrößert. Trotz der Zusicherung der Unschädlichkeit dieser Geräte und Verfahren seitens der Hersteller haben Fachexpertinnen und -experten in diesem Punkt massive Bedenken.

  • Eine Einbringung von Chemikalien in die Atemluft am Arbeitsplatz bzw. die Erzeugung von Radikalen sowie von Reaktions- oder Spaltprodukten durch den Einsatz on Kaltplasmaverfahren oder Strahlung kann grundsätzlich eine mögliche gesundheitliche Beeinträchtigung oder sogar Gefährdung von Beschäftigten darstellen. Das widerspricht § 22 Abs. 3 ASchG.
  • Für die Verwendung dieser Geräte am Arbeitsplatz ist ein vollständiger und detaillierter Nachweis der Arbeitgeberin oder des Arbeitgebers erforderlich, durch den jede mögliche nachteilige Beeinträchtigung - sowohl durch die eigentlich eingesetzten und vernebelten Chemikalien als auch durch sämtliche möglicherweise entstehenden weiteren Reaktionsprodukte – mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann (Arbeitsplatzevaluierung). Unter realistischen Bedingungen ist eine vollständige Erfassung aller möglichen Risiken und Auswirkungen auf die Gesundheit der anwesenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kaum möglich und der Einsatz der Geräte insofern zu unterlassen.
  • Wenn jedoch die Behandlung der angesaugten Luft in einem hinreichend abgeschlossenen Gehäuse (damit wäre auch eine Strahlenquelle abgeschirmt) erfolgt und die danach wieder in den Raum eingebrachte Luft keinerlei reaktive Substanzen oder Spaltprodukte enthält, sind keine potentiell gesundheitsschädlichen Folgereaktionen denkbar. Verursacht der Betrieb des Gerätes zudem auch keinen unzulässigen Lärm, spricht an sich nichts gegen dessen Einsatz am Arbeitsplatz. 

Details und Begründung siehe Erlass.

Geräte mit Filtern

Durch mobile oder fest installierte Luftreiniger können grundsätzlich nicht alle Verunreinigungen aus der Raumluft entfernt werden, wie dies bei Zufuhr von Außenluft stattfindet. Dies trifft vor allem für Kohlendioxid, aber auch für eine Reihe chemischer Stoffe in der Raumluft zu, die nicht von allen Luftreinigern erfasst werden. Auch erhöhte Luftfeuchte (die unter bestimmten Umständen zur Gefahr von Schimmelbildung führen kann) kann auf diese Weise nicht abgeführt werden. Geräte, die keine Gewebefilter oder wirksame elektrostatische Filter verwenden, entfernen zudem keine Partikel aus der Raumluft. Mobile oder auch fest installierte Geräte dieser Art wälzen die Raumluft lediglich um und ersetzen nicht die Zufuhr von Außenluft. Es wird daher ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Betrieb von Luftreinigern eine ausreichende hygienische Lüftung nicht ersetzen kann. Es sind folgende Prioritäten zu setzen:

  • Intensiveres Lüften über Fenster oder durch Einsatz von zentral oder etagenweise eingebauten raumlufttechnischen Anlagen.
  • Durch eine Verbesserung der Außenluft- bzw. Frischluftzufuhr über Fensterlüftung und bedarfsgeregelte Lüftungsanlagen mit Wärme- und ggf. Feuchterückgewinnung ist eine energiesparende, langfristige Prävention in Bezug auf Erkrankungen durch virenbeladene Aerosole möglich.
  • Wenn der Einbau von raumlufttechnischen Anlagen nicht realisierbar ist, sollte durch Verringerung der Anzahl der Nutzer des Raumes die Risikosituation verbessert werden.
  • Nur wenn die vorher genannten Punkte nicht realisierbar sind, können Luftreiniger eingesetzt werden, die das eingeschränkte Lüften in Bezug auf eine Risikominimierung in Pandemiezeiten ergänzen, jedoch keinesfalls ersetzen.

Letzte Änderung am: 03.09.2021