Telearbeitsplätze, Home Office

Bei Arbeiten in Telearbeit und Home Office handelt es sich um Arbeiten in „auswärtigen Arbeitsstellen“, weil die Bildschirmtätigkeit außerhalb einer Arbeitsstätte des Unternehmens erbracht wird. Die Beschäftigten sind – wenn die sonstigen Voraussetzungen vorliegen – Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Sinn des § 2 Abs. 1 ASchG. Sie leisten Bildschirmarbeit in ihrer Privatwohnung, die (aus ASchG-Sicht) als „auswärtige Arbeitsstelle“ einer Arbeitsstätte des Arbeitgebers bzw. der Arbeitgeberin zugeordnet ist.

Arbeitsstättenbezogene Arbeitsschutzvorschriften (§§ 19 ff ASchG und Arbeitsstättenverordnung – AStV, z.B. Raumhöhe) gelten daher nicht für Arbeiten in der eigenen Privatwohnung.

Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber und Präventivdienste haben kein Zutrittsrecht in Privatwohnungen („Hausrecht“, Schutz der Privatsphäre). Der Zutritt ist nur möglich, wenn die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausdrücklich zustimmen (bzw. auf deren Wunsch zu Beratungszwecken oder zur Evaluierungsdurchführung).

Folgende Regelungen gelten für Arbeiten in Telearbeit/Home Office:

  • Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sind verpflichtet, auch Tele-Bildschirmarbeitsplätze ergonomisch zu gestalten. Es dürfen nur Bildschirmgeräte - Monitore, Tastaturen, sonstige Steuerungseinheiten oder Zusatzgeräte (z.B. Drucker) verwendet werden, die dem Stand der Technik und den ergonomischen Anforderungen entsprechen. Das umfasst auch benutzerfreundliche Software. Meist stellen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber den Beschäftigten eine den Anforderungen entsprechende technische Bildschirmarbeitsplatz-Ausstattung (PC, Laptops, Tastatur, etc.) zur Verfügung, um ihren Arbeitgeberpflichten nachzukommen, aber auch um einen mit der Arbeitsstätte kompatiblen einheitlichen IT-Standard zu gewährleisten.
  • Stellen die Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern den Beschäftigten die technische Ausstattung für die Telearbeit bzw. im Home Office zur Verfügung, müssen sie dafür sorgen, dass diese ergonomisch gestaltet ist und dem Stand der Technik entspricht. 

In der Praxis wird Näheres arbeitsvertragsrechtlich und durch betriebliche Telearbeitsrichtlinien geregelt. Telearbeitsvereinbarungen oder Kostenpauschalen (für Internet, Strom usw.) sind aber nicht Gegenstand des Arbeitsschutzrechts.

  • Keine Verpflichtung besteht für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, auch geeignete Arbeitstische, Arbeitsflächen und Sitzgelegenheiten für die Telearbeit bzw. das Home Office zur Verfügung zu stellen. Werden sie den Teleworkerinnen und Teleworkern aber zur Verfügung gestellt, müssen sie ebenfalls die ergonomischen Anforderungen erfüllen.

Dies gilt jeweils unabhängig von der Dauer der Telearbeit.

§ 76 Abs. 1, 2 und 4 ASchG
§ 67 Abs. 6 und § 68 Abs. 7 ASchG (samt BS-V)

Telearbeit und Laptops
Die Bildschirmgeräte und Zusatzeinrichtungen müssen auch bei Telearbeit dem Stand der Technik und den ergonomischen Anforderungen entsprechen. Es ist daher ausreichend, wenn Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber jenen Beschäftigten, die übliche Büroanwendungen durchführen, Laptops mit einer Bildschirmgröße ab etwa 15 Zoll Bilddiagonale zur Verfügung stellen. Müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer jedoch mit Zeichen- bzw. Bildbearbeitungsprogrammen arbeiten, sind größere Monitore erforderlich. Zusätzlich sind jedenfalls den ergonomischen Anforderungen entsprechende getrennte Tastaturen, Computermäuse und Unterlagen für den Laptop (um diesen höher zu stellen) notwendig, weshalb Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber auch diese Ausstattung zur Verfügung stellen müssen.

Für Tele-Bildschirmarbeit sind die Regelungen über Pausen, Augenuntersuchungen und Sehhilfen nach ASchG und BS-V nicht anwendbar.

Sonstige (nicht arbeitsstättenbezogene) ASchG-Regelungen gelten, soweit sie auf Telearbeit/Home Office anwendbar sind, wie z.B.

  • Ermittlung und Beurteilung von Gefahren sowie die Festlegung von Maßnahmen (Arbeitsplatzevaluierung nach §§ 4, 5 ASchG)
    Im Rahmen der Evaluierung der Arbeitsstätte sind grundsätzlich auch die organisatorisch zugerechneten auswärtigen Arbeitsstellen zu evaluieren. Da eine Besichtigung der auswärtigen Arbeitsstelle (Privatwohnung) im Regelfall nicht möglich ist, kann eine entsprechende Musterevaluierung für Tele-Arbeitsplätze ausgearbeitet und den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zur Verfügung gestellt werden. Unter diesem Aspekt ist auch auf Unterweisung und Information bei Teleworkerinnen und Teleworker ein verstärktes Augenmerk, soweit für Bildschirmarbeitsplätze relevant, zu legen.
  • Information und Unterweisung (§§ 12, 14 ASchG)
  • Sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Betreuung (Präventivdienstbetreuung, 7. Abschnitt ASchG)
     Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auswärtiger Arbeitsstellen sind für die Präventivdienstbetreuung organisatorisch einer Arbeitsstätte zuzurechnen, im Zweifel dem Unternehmenssitz.
  • Verwendungsschutz (AZG, ARG, MSchG) gilt auch für Teleworkerinnen und Teleworker, soweit diese Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Sinn dieser Regelungen sind.

Die Teleworkerinnen und Teleworker bzw. das Home Office sind einer Arbeitsstätte zugerechnet, d.h. relevante Unterlagen (z.B. Arbeitszeitaufzeichnungen, Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokumente, Unterweisungsnachweise) – auch für Home-Office-Arbeitsplätze – müssen in dieser Arbeitsstätte vorhanden sein.

AUVA Merkblatt M+ 022 Telearbeitsplätze


Letzte Änderung am: 28.08.2020